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Dichten ist lernbar

PoetereyIn einer Zeit, die keine verbindlichen Regeln mehr kannte, in der Willkür und Gewalt herrschten, entstand die Auffassung, dass Dichten eine Kunst sei, die man lernen könne. Man müsse nur bestimmten Regeln über Vers, Reim, Gattung usw. folgen, wenn man Dichtkunst produzieren wolle. Diese Regeln leiteten sich aus den Werken der griechischen und römischen Antike, der italienischen und französischen Literatur ab. Federführend unter den Verfassern poetischer Regelwerke war Martin Opitz (1597-1639), der 1624 das Buch von der Deutschen Poeterey veröffentlichte.

Zwei seiner Thesen erzielten langanhaltende Wirkung. So verlangte er in der gebunden Sprache der Lyrik und des Dramas den Einklang von Vers- und Wortakzent anstelle der bisher üblichen Silbenzählung. Weiters geht auf ihn das Gesetz von der Fallhöhe zurück: Opitz war der Meinung, in Tragödien sollten nur hochgestellte Persönlichkeiten auftreten, da ihr Schicksal, wenn sie aus der Höhe ihrer Position fallen, den Zuschauer mehr beeindrucke als das Leben der gewöhnlichen Leute. Deren Schicksal war für ihn Stoff der Komödie.

"Die Tragedie ist an der maiestet dem Heroischen Getichte gemeße, ohne das sie selten leidet, das man geringen standes personen und schlechte sachen einführe, weil sie nur von Königlichem willen (...) handelt. Die Comedie bestehet in schlechtem wesen und personen: redet von hochzeiten, gastgeboten, spielen, betrug und schalckheit der knechte, ruhmrätigen Landtsknechten, buhlersachen, leichtfertigkeit der jugend, geitze des alters (...)."