Was ist Aufklärung?

1784, als die Epoche der Aufklärung schon so gut wie zu Ende war, beantwortete der deutsche Philosoph Immanuel Kant die Frage "Was ist Aufklärung?" folgendermaßen:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Sapere aude! "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch zeitlebens gerne unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. [...]
Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich hält: Dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften: So zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

Die Gegner der Aufklärung

Wer waren damals jene "Vormünder", die den Leuten so gerne das eigenständige Denken abnahmen? Zum einen waren es die christlichen Kirchen, vor allem die katholische, die seit dem Ende des Mittelalters mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und der Philosophie zu kämpfen hatten.

Im Mittelalter galt die Bibel als einzige Erkenntnisquelle über die Beschaffenheit der Welt. Doch als Folge der naturwissenschaftlichen Forschungen wurde klar, daß das Weltbild der Bibel nicht auf göttliche Eingebung sondern auf das Verständnis ihrer Autoren zurückging. Da aber die Kirche die Heilige Schrift wörtlich nahm, wurde jede Kritik, was die neuen Forschungsergebnisse ja indirekt waren, gleichzeitig auch als Angriff auf die eigentlichen Glaubensinhalte gesehen. Deshalb versuchte die Kirche, wo immer das möglich war, eigenständiges Denken und die Verbreitung von neuen Erkenntnissen zu verhindern. Dies wird unter anderem am Schicksal Galileo Galileis deutlich, der im Jahre 1616 von der Inquisition gezwungen wurde, seine Erkenntnisse über das heliozentrische Weltbild zu widerrufen.

Die anderen Gegner der Aufklärung waren die Fürsten. Ihnen war es im Laufe des 17. Jhdts. gelungen, eine absolute Machtposition zu erringen. Der Absolutismus garantierte ihnen alle Vorrechte, der Großteil der Bevölkerung jedoch lebte in Armut und Rechtlosigkeit, jederzeit der fürstlichen Willkür unterworfen.

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Immanuel Kant

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Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft

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