Die Aufklärer und ihre Ziele
Das Gedankengut der Aufklärung hat seine Wurzeln in England und Frankreich. Empirismus und Rationalismus legten die theoretischen Grundlagen für die moderne Naturwissenschaft. Das wiederholbare Experiment, die Möglichkeit, physikalische Vorgänge unter gleichbleibenden Bedingungen zu messen und zu zählen und die Ergebnisse der Versuche in physikalische Gesetze zu fassen, ersetzte in vielen Bereichen die Lehren der Kirche. Der Mensch trat seiner Umwelt unvoreingenommen gegenüber und bezog aus der Forschung neues Selbstbewußtsein.
Dieses Selbstbewußtsein äußerte sich besonders deutlich in den Überlegungen zum Naturrecht und in der Lehre vom Staat. Der Engländer John Locke sagte im Treatise of government (= Abhandlung über die Regierung):
"Die Vernunft lehrt alle Menschen, daß wir alle gleich und unabhängig sind, daß daher keiner dem andern in bezug auf sein Leben, seine Gesundheit, seine Freiheit und sein Eigentum schaden soll."
Damit waren die Naturrechte der Menschen klar formuliert.
Der Franzose Jean Jacques Rousseau kam in seinem Buch Du contrat social (= Vom Gesellschaftsvertrag) zum Schluß, daß jede staatliche Ordnung auf einer unausgesprochenen Übereinkunft beruhe: Das Volk sucht, um Frieden, Sicherheit und Wohlstand zu garantieren, nach einem Herrscher, der diese Aufgaben erfüllen soll. Es überträgt damit die Staatsgewalt und kann sie also auch wieder entziehen, wenn der Regierungsauftrag nicht ordentlich erfüllt wird. Auf dieser Überlegung beruht jede demokratische Staatsform, in der die Regierung vom Volk gewählt wird.
Damit wird auch bereits der politische Angriff deutlich, den die Aufklärer gegen den Absolutismus führten: Der absolute Herrscher sah sich als "von Gottes Gnaden eingesetzt", stand also der Aufklärung als Gegner gegenüber, die ihn als "von den Untertanen berufen" ansah.
Der französische Gelehrte Charles Montesquieu verfeinerte die neue Staatslehre mit der Forderung nach der Gewaltentrennung. Sie sah drei unabhängige Einrichtungen vor: Eine gesetzgebende Körperschaft, die aus Vertretern des Volkes gebildet wird, eine vom Volk eingesetzte Regierung, die die Gesetze durchführt, und ein unabhängiger Richterstand, der Recht spricht, sollen Willkür und Despotismus verhindern.
Die Aufklärer glaubten an den Fortschritt, wenn die Menschen nur nach den Vernunftprinzipien handeln würden. Man war überzeugt, daß der Mensch grundsätzlich gut sei. Es gelte nur, die Menschen über ihre wahre Bestimmung, nämlich das vernünftige und somit auch natürliche Denken und Handeln, "aufzuklären", um die Menschheit zu einem neuen und besseren Dasein zu führen.



