Anakreon
Er stammt aus Teos, lebte von 563 bis 478 v. Chr. Anakreon führte ein Wanderleben an
verschiedenen Fürstenhöfen. Die Themen seiner Gedichte sind Freundschaft, Frauen- und
Knabenliebe, Wein und Eros. Nach ihm ist die Anakreontik (europäische Rokokolyrik nach
1740 mit gleichen Themen) benannt.
Thrakisch Füllen, warum wirfst du
Doch auf mich so schräge Blicke?
Grausam fliehst du mich, du traust mir
Wohl des Klugen wenig zu?
Aber wisse nur, ich wollte
Dich aufs allerbeste zäumen
Und dich fest im Zügel haltend
Lenken um das Ziel der Bahn.
Jetzt noch weidest du im Grünen,
Spielst umher in leichten Sprüngen,
Denn es mangelt noch ein Reiter,
Der der Schule kundig ist.
Schon ergraut sind mir die Locken
An den Wangen, weiß das Haupthaar,
Und der holden Jugend Liebreiz
Ist dahin, vergreist die Zähne.
Von dem ach süßesten Dasein
Nur ein Restchen Zeit ist übrig.
Darum stöhn ich tief von innen
Immer auf, vorm Dunkel schaudernd.
Denn unheimlich ist des Todes
Kammer, fürchterlich der Abstieg
In sein Haus; stiegst du hinunter,
Kehrst du niemals, niemals wieder.
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