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Homer
Er stammte wahrscheinlich aus der Gegend von Smyrna (Izmir) an der kleinasiatischen
(heute: türkischen) Mittelmeerküste [aber auch Chios, Kolophon, Rhodos, Argos, Athen und
Salamis wurden in der Antike als seine Geburtsorte genannt], lebte im 9. oder 8. Jhdt. v.
Chr. und war vermutlich blind. Tatsache ist allerdings, dass man keine gesicherten Fakten
von oder über Homer besitzt, nicht einmal, ob er überhaupt existierte oder nicht.
Bildquelle: © by Christoph
Haußner, München
Von ihm stammen der Überlieferung zufolge die beiden Epen
"Ilias" (Ilios =griechischer Name für Troja) und "Odyssee". Sie
behandeln Ausschnitte des Kriegs um Troja, der, wenn überhaupt, im 13. Jhdt. v. Chr.
stattfand. Im Falle der "Odyssee" sind viele Forscher der Ansicht, daß sie
nicht vom selben Autor wie die "Ilias" stamme. Wenn man also Homer als Autor der
beiden Epen nennt, so ist dies eine Zuschreibung, die mangels anderer Fakten existiert und
weiters keine Bedeutung hat.
Eine mögliche Biographie des uns so weitgehend unbekannten und auf uns dennoch so
intensiv wirkenden Dichters Homer skizziert der Professor für Klassische Philologie der
Universität Basel, Joachim Latacz:
"So mag sich
denn, wer klare Bilder liebt, Homer um 770 in einer Küsten- oder Inselstadt im
kleinasiatischen Ionien in gutem Haus geboren denken; die alten Heldenlieder hätte er aus
dem Munde der Aoiden von früh an gehört und sich bald selbst daran versucht; seine
Erziehung wäre gut gewesen, schreiben und lesen hätte er vielleicht noch als Knabe,
sicherlich aber als junger Mann gelernt; Reisen - erleichtert durch die weitreichenden
Familienbindungen des Adels - hätten ihn weit in Griechenland herumgeführt (...). Um
730, als etwa Vierzigjähriger, hätte der berühmt gewordene Aoide Homeros im allgemeinen
Schwung der Zeit nach mancherlei Experimenten das neue Selbstgefühl des Adels in
zeitgemäßer Wiederbelebung der alten Ruhmeslieder vom Kampf um Troja zu neuem Ausdruck
gebracht; und ausgeschlossen wäre es nicht, daß er - beflügelt durch den unerhörten
Erfolg der Ilias und durch den raschen Rhythmus der miterlebten weiteren Entwicklung - um
710, als etwa Sechzigjähriger, die durch Kolonisation und Handel beschleunigte
Veränderung des traditionellen Welt- und Menschenbilds (und damit auch der Adelsideale)
in einer zweiten großen Weltdeutung, der Odyssee, noch selbst ins Wort gesetzt hätte.
Der Ruhm seiner Werke hätte sich noch zu seinen Lebzeiten rasch über die ganze
griechische Welt verbreitet, so daß sein Name, als Homer um 700 starb, so fest mit Ilias
und Odyssee verbunden blieb, daß er von da an niemals mehr vergessen wurde."
Joachim Latacz, Homer. Der erste Dichter des Abendlands. München/Zürich:
Artemis, 1989, pp. 89-90.
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