Sappho
Sie ist die erste uns bekannte Dichterin, wurde 612 v. Chr. geboren, lebte in Mytilene
auf der Insel Lesbos, stammte aus adligem Haus und starb nach 590 v. Chr. Sappho war
verheiratet und Mutter einer Tochter. Sie verfasste Gedichte über ihr Leben und über die
Zuneigung zu ihren Schülerinnen, jungen Mädchen, die sie bis zur Verheiratung
unterrichtete. Der Legende zufolge soll sie sich, als sie von dem schönen Jüngling Phaon
abgewiesen wurde, ins Meer gestürzt haben.
Ach, ich wollte, ich wäre tot!
Sie, die Weinende, ließ mich allein zurück.
"Sappho", sagte sie, "wie viel Leid
Hat das Schicksal uns auferlegt!
Widerstrebend nur gehe ich fort von dir."
Ich entgegnete: "Zieh getrost
Deines Weges und gedenke mein!
Denn wir haben, du weißt es, dich treu umhegt.
Oder weißt du's nicht mehr? Dann laß
An die Lust dich gemahnen und
An das Glück, das uns beiden zugleich erschien.
Veilchenkränze und Kränze von
Goldnem Rosenduft haben wir
Eine neben der anderen gebunden oft.
Um den zarten, um deinen Hals
Hast du Ketten voll Wohlgeruch
Von den Blumen geschlungen der Frühlingsflur.
Und du hast dir verschwenderisch
Mit dem kostbaren Öl und mit
Königsbalsam den schmiegsamen Leib gesalbt.
Und auf teppichbelegtem Bett,
Sanften Freundinnen hingeneigt,
Hast du liebend die Sehnsucht in dir gestillt.
Immer waren wir Hand in Hand,
Ob ein heiliges Fest geschah
Oder flötengeleitet ein Hochzeitszug.
Und es gab keinen Hain, der von
Liedern oder von Saiten nicht
Widerklang..."
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