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Das griechische Epos

Beim Epos handelt es sich um eine in gebundener Sprache (=Vers, Rhythmus, Reim) abgefaßte Erzählung aus der frühen Geschichte eines Volkes, die entweder durch eine zentrale Idee oder eine zentrale Gestalt inhaltlich zusammengehalten ist. Zur Entstehung der einzelnen Epen existieren verschiedene Theorien. Die eine vertritt die Ansicht, daß die älteren Epen, die sogenannte Volksepik ohne bekannten oder mit zumindest umstrittenem Verfasser, ursprünglich aus mehreren selbständigen und kürzeren, mündlich überlieferten Texten bestanden habe, die von einem Kompilator zu einem einheitlichen Ganzen - sowohl in inhaltlicher als auch in sprachlicher Hinsicht zusammengefügt wurden. Die andere Theorie überträgt auch auf ältere Epen die für die neuere Epik, das sogenannte Kunstepos mit einem bekannten Verfasser, gültige Auffassung, daß es sich hier um ein einheitliches, von einem Autor geschaffenes Kunstwerk handle.

Kämpfender Achill Beschützerin Athene 1.jpg (23327 Byte)Im Epos vollzieht sich der Übergang vom mythischen zum historischen Weltbild, indem häufig mythische Überlieferungen mit geschichtlichen Ereignissen vermischt und verknüpft werden. Träger der Handlung sind Heroen, die gewissermaßen zwischen Göttern und Menschen stehen (Abwärtsbewegung!) Zu den Themen des Epos gehören: Staatenbildungen, Eroberungen und Wanderungen aus der frühen Geschichte eines Volkes bzw. einer Kulturgemeinschaft.

Das älteste abendländische Epos (ca. 2000 v. Chr.) ist die babylonische Geschichte von Gilgamesch, dem König von Uruk, und seinem Freund Enkidu, der ursprünglich von den Göttern geschaffen wurde, um die Tyrannenherrschaft von Gilgamesch zu beenden. Als Freunde bestehen sie den Kampf gegen das Monster Humbaba und einen himmlischen Stier. Nach Enkidus Tod versucht Gilgamesch, das Geheimnis der Unsterblichkeit zu ergründen. Dazu sucht er Utnapishtim, das babylonische Gegenstück zu Noah, auf, der ihm von einer Pflanze erzählt, welche die Jugend zurückbringt. Gilgamesch findet sie, doch sie wird ihm von einer Schlange gestohlen. Da erkennt er, daß es Teil des Menschseins ist, dem Alter und dem Tod nicht entkommen zu können.

Das nächste Glied in der Kette der überlieferten Epen ist Homer.